Presserecht
Das Presse- und Äußerungsrecht ist ein zentraler Bestandteil des modernen Medienrechts. Es erfordert eine ausgewogene Abwägung zwischen der Meinungs- und Pressefreiheit sowie dem Schutz von Persönlichkeitsrechten und anderen Rechtsgütern. Eine fundierte rechtliche Beratung ist essenziell, um in diesem komplexen Rechtsgebiet sicher zu navigieren.
Presse- und Äußerungsrecht: Ein summarischer Überblick
Das Presse- und Äußerungsrecht regelt die Grenzen und Freiheiten von Meinungsäußerungen und Berichterstattungen in der Presse, in digitalen Medien sowie auf sozialen Plattformen. Es schützt grundlegende Rechte wie die Meinungs- und Pressefreiheit, setzt diesen jedoch Schranken, wenn andere Rechtsgüter, wie Persönlichkeitsrechte oder der Schutz vor falschen Tatsachenbehauptungen, beeinträchtigt werden.
1. Grundlagen des Presse- und Äußerungsrechts
1.1. Verfassungsrechtliche Grundlagen
- Art. 5 Abs. 1 GG:
- Schützt die Meinungs-, Informations-, Presse- und Rundfunkfreiheit.
- Beinhaltet die Freiheit zur Verbreitung von Informationen ohne Zensur.
- Art. 1 Abs. 1 GG (Menschenwürde) und Art. 2 Abs. 1 GG (allgemeines Persönlichkeitsrecht):
- Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit, z. B. bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen.
1.2. Einfachgesetzliche Regelungen
- Landespressegesetze:
- Regeln die Rechte und Pflichten der Presse auf Länderebene.
- Strafrechtliche Normen:
- § 185 StGB (Beleidigung).
- § 186 StGB (üble Nachrede).
- § 187 StGB (Verleumdung).
- Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) und Medienstaatsvertrag (MStV):
- Regelungen für digitale Medienangebote, wie die Impressumspflicht (§ 5 DDG, § 18 MStV).
1.3. Internationale Regelungen
- Art. 10 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention):
- Schutz der Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit, Informationen und Ideen zu verbreiten.
2. Presse- und Äußerungsrecht in traditionellen und digitalen Medien
2.1. Pressefreiheit und Pflichten
- Rechte der Presse:
- Informationsfreiheit: Zugang zu Informationen von Behörden (§ 4 Landespressegesetze).
- Schutz journalistischer Quellen.
- Pflichten der Presse:
- Sorgfaltspflicht: Verpflichtung zu wahrheitsgemäßer und sorgfältiger Berichterstattung.
- Gegendarstellungsrecht (§ 11 Landespressegesetze).
- Presserechtliches Impressum nach den Landespressegesetzen (z. B. § 8 NPresseG).
2.2. Äußerungsfreiheit im Internet
- Schutz von Meinungsäußerungen, auch in sozialen Netzwerken.
- Grenze: Rechtswidrige Inhalte, wie Hassrede (§ 130 StGB) oder falsche Tatsachenbehauptungen.
3. Grenzen der Meinungsfreiheit
3.1. Tatsachenbehauptungen vs. Meinungsäußerungen
- Tatsachenbehauptungen:
- Müssen wahrheitsgemäß sein, andernfalls rechtswidrig (§§ 186, 187 StGB).
- Beispiel: “Person X hat Steuern hinterzogen.”
- Meinungsäußerungen:
- Subjektive Werturteile, die durch Art. 5 Abs. 1 GG geschützt sind.
- Grenze: Schmähkritik, Beleidigung, Verleumdung.
3.2. Schutz der Persönlichkeitsrechte
- Allgemeines Persönlichkeitsrecht:
- Schutz vor Eingriffen in die Privat- und Intimsphäre.
- Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG):
- Erfordert grundsätzlich die Einwilligung der abgebildeten Person.
- Recht auf Gegendarstellung (§ 11 Landespressegesetze):
- Möglichkeit, auf Berichte mit eigener Stellungnahme zu reagieren.
4. Besonderheiten in sozialen Medien
4.1. Hassrede und Beleidigungen
- Digital Services Act (DSA):
- Verpflichtet Plattformen wie Facebook oder X zu Melde- und Abhilfeverfahren für rechtswidrige Inhalte; das frühere NetzDG wurde 2024 weitgehend durch den DSA abgelöst.
- Rechtswidrige Inhalte umfassen Beleidigungen (§ 185 StGB), Volksverhetzung (§ 130 StGB) und Verleumdung (§ 187 StGB).
4.2. Fake News
- Verbreitung falscher Tatsachen, insbesondere auf sozialen Plattformen, kann rechtswidrig sein (§§ 186, 187 StGB).
- Plattformbetreiber haften, wenn sie nach Kenntnisnahme nicht reagieren (Art. 6 DSA, früher §§ 7–10 TMG).
4.3. Influencer und Werbung
- Kennzeichnungspflichten:
- Transparenzpflicht für Werbung (§ 5a UWG).
- Entscheidungen der Rechtsprechung zur Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten (z. B. “Influencer-Marketing-Urteile”).
5. Typische Verfahren im Presse- und Äußerungsrecht
5.1. Abmahnungen
- Aufforderung zur Unterlassung einer rechtswidrigen Äußerung oder Berichterstattung.
- Enthält meist:
- Unterlassungserklärung.
- Androhung von Vertragsstrafen bei Zuwiderhandlung.
5.2. Einstweilige Verfügungen
- Schnellverfahren zur Unterbindung rechtswidriger Äußerungen.
- Voraussetzung:
- Dringlichkeit.
- Glaubhaftmachung der Rechtsverletzung.
5.3. Klagen auf Unterlassung und Schadensersatz
- Unterlassung: Verbot zukünftiger Äußerungen oder Veröffentlichungen.
- Schadensersatz: Ersatz materieller Schäden; bei schweren Persönlichkeitsrechtsverletzungen Geldentschädigung.
6. Aktuelle Rechtsprechung und wegweisende Urteile
6.1. Deutsche Entscheidungen
- BGH/BVerfG, Caroline von Hannover (2007/2008):
- Abwägung zwischen Persönlichkeitsrecht und Pressefreiheit bei Berichterstattung über Prominente.
- BGH, Influencer-Marketing (2021/2022):
- Klarstellung zu Kennzeichnungspflichten für Werbung in sozialen Medien.
6.2. Europäische Entscheidungen
- EGMR, Axel Springer AG vs. Deutschland (2012):
- Leitlinien zur Abwägung von Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechten.
- EuGH, Google Spain (2014):
- Einführung des Rechts auf Vergessenwerden.
7. Typische Verträge im Presse- und Äußerungsrecht
- Autorenverträge:
- Regelung der Rechteübertragung und Vergütung für Texte oder Beiträge.
- Kooperationsverträge:
- Vereinbarungen zwischen Medienunternehmen und Werbetreibenden.
- Lizenzverträge:
- Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte (z. B. Fotos, Videos).
- Vergleichsvereinbarungen:
- Beilegung von Streitigkeiten durch außergerichtliche Einigung.
8. Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen
8.1. Digitalisierung und soziale Medien
- Zunahme an Beleidigungen, Fake News und Hassrede auf Plattformen.
- Neue Anforderungen an Plattformbetreiber durch den EU-Digital Services Act.
8.2. Einfluss von Künstlicher Intelligenz
- Verbreitung von Deepfakes und automatisierten Inhalten.
- Haftungsfragen bei KI-generierten Verleumdungen.
9. Tätigkeiten unserer Anwaltskanzlei
9.1. Beratung
- Unterstützung bei der Einhaltung von rechtlichen Vorgaben für Berichterstattungen.
- Prüfung und Erstellung von Gegendarstellungen oder Unterlassungserklärungen.
9.2. Vertretung
- Vertretung bei Abmahnungen oder einstweiligen Verfügungen.
- Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen und Unterlassungsklagen.
9.3. Prävention
- Schulungen zu rechtlichen Anforderungen für Redaktionen und Social-Media-Teams.
- Entwicklung von Richtlinien für den Umgang mit Persönlichkeitsrechten und Urheberrechten.
Ihre Ansprechpartner im Presserecht

Julia Ziegeler
Rechtsanwältin, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht

Katharina Gitmann-Kopilevich
Rechtsanwältin, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz
Alle Anwältinnen und Anwälte finden Sie in der Übersicht, weitere Schwerpunkte unter Rechtsgebiete.