Energierecht
Energierecht – Überblick
Das Energierecht umfasst die rechtlichen Rahmenbedingungen, die die Erzeugung, Verteilung, Nutzung und Einsparung von Energie regeln. Es ist ein Querschnittsbereich, der sowohl öffentlich-rechtliche als auch privatrechtliche Aspekte umfasst und durch EU-Vorgaben, nationale Gesetze sowie spezifische Förderprogramme geprägt ist. Mit dem Ziel der CO₂-Neutralität spielt die Integration erneuerbarer Energien (EE), die Optimierung von Versorgungs- und Produktionskonzepten sowie die Umsetzung moderner Energiestrategien eine zentrale Rolle.
Gestaltung und Optimierung CO₂-neutraler Versorgungs- und Produktionskonzepte
- Erneuerbare Energien (EE):
- Windenergie: Planung, Genehmigung und Betrieb von Onshore- und Offshore-Windparks, Netzeinspeisung.
- Photovoltaik (PV): Ausbau von Dach- und Freiflächenanlagen, Speicherung und Eigenverbrauchsoptimierung.
- Wasserstoff (H₂): Nutzung von grünem Wasserstoff für industrielle Anwendungen, Mobilität (H₂-Tankstellen) und Infrastrukturprojekte (H₂-Pipelines, Hubs).
- Kombination von Technologien:
- Hybridlösungen: Kopplung von PV, Wind, H₂ und Speichern zur Maximierung der Versorgungssicherheit.
- Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Effiziente Nutzung von fossilen und erneuerbaren Brennstoffen in KWK-Anlagen, Modernisierung zur CO₂-Reduktion.
- Zukunftssichere Konzepte:
- PPAs (Power Purchase Agreements): Direktverträge zwischen EE-Erzeugern und Verbrauchern, Preisstabilität und langfristige Versorgungssicherheit.
- EE-Eigenerzeugung: Rechtlich optimierte Nutzung eigener EE-Anlagen zur Senkung der Energiekosten.
- Portfoliomanagement: Diversifizierung der Strombeschaffung durch Marktanalysen und dynamische Preisstrategien.
Privilegien und Fördermöglichkeiten
- Steuerliche Privilegien:
- Energiesteuer (EnergieStG): Ermäßigte Steuersätze für bestimmte Unternehmen, insbesondere energieintensive Betriebe.
- Stromsteuer (StromStG): Rückerstattung oder Ermäßigung für Unternehmen, die Energie zur Produktion nutzen.
- BesAR (§§ 28 ff. EnFG, früher §§ 63 ff. EEG):
- Besondere Ausgleichsregelung für stromkostenintensive Unternehmen, heute geregelt in §§ 28 ff. EnFG: Begrenzung der KWKG- und Offshore-Netzumlage. Die EEG-Umlage wird seit dem 1. Juli 2022 nicht mehr erhoben.
- BECV (Carbon-Leakage-Verordnung):
- Entlastung energieintensiver Unternehmen, die international im Wettbewerb stehen, von Kosten der CO₂-Bepreisung.
- SPK (Spitzenausgleich):
- Der Spitzenausgleich ist Ende 2023 ausgelaufen; stattdessen gilt für Unternehmen des Produzierenden Gewerbes seit 2024 eine auf den EU-Mindestsatz abgesenkte Stromsteuer (§ 9b StromStG).
- EnFG (Energiefinanzierungsgesetz):
- Regelungen zu Umlagen und Entlastungen für Verbraucher und Unternehmen.
- § 19 StromNEV (individuelle Netzentgelte):
- Individuelle, reduzierte Netzentgelte für Unternehmen mit atypischer Netznutzung oder hoher Benutzungsdauer (§ 19 Abs. 2 StromNEV).
Preisbremsen und ökologische Gegenleistungen
- Preisbremsen:
- Gesetzliche Begrenzung von Strom-, Gas- und Wärmepreisen zur Entlastung von Verbrauchern und Unternehmen in der Energiekrise (Preisbremsen galten bis Ende 2023).
- Ökologische Gegenleistungen:
- Verpflichtung zur CO₂-Reduktion oder zur Nutzung erneuerbarer Energien im Gegenzug für Förderungen oder Entlastungen.
Förderprogramme und Regelwerke
- EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz):
- Förderung der EE-Erzeugung durch Vergütungen, Ausschreibungen und Netzanschlussrechte.
- KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz):
- Förderung effizienter KWK-Anlagen durch Zuschläge und Investitionsförderung.
- EnEfG (Energieeffizienzgesetz):
- Verpflichtung von Unternehmen mit hohem Energieverbrauch zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen und zur Veröffentlichung von Umsetzungsplänen für Effizienzmaßnahmen.
Energie- und klimafreundliche Versorgungskonzepte
- PPAs (Power Purchase Agreements):
- Direktverträge zwischen Stromerzeugern und Abnehmern, die EE-Strom ohne Zwischenhändler vermarkten.
- Eigenversorgungskonzepte:
- Optimierung der Nutzung selbst erzeugter EE, z. B. durch Batteriespeicher oder Lastmanagement.
- H₂-Projekte:
- Pipeline-Projekte: Infrastruktur für Transport von grünem Wasserstoff.
- Arealversorgung: Wasserstoff als Medium zur Energieversorgung in Quartieren oder Industrieparks.
- H₂-Tankstellen: Aufbau von Wasserstofftankstellen für die Mobilität.
- Elektromobilität:
- Integration von Ladeinfrastruktur für Unternehmen und öffentliche Räume.
- Speicherlösungen:
- Batteriespeicher zur Netzstabilisierung und Eigenverbrauchsoptimierung.
- KWK-Modernisierung:
- Austausch fossiler Brennstoffe durch Biogas oder grüne Gase, Einsatz von Brennstoffzellen.
Rechtliche Rahmenbedingungen für Verträge
- PPAs:
- Rechtlich wasserdichte Ausgestaltung für langfristige Preisstabilität und Lieferzuverlässigkeit.
- Projektverträge:
- Bau-, Liefer- und Montageverträge für EE-Anlagen.
- Pachtverträge:
- Regelung der Nutzung von Flächen für PV-Anlagen, Windräder oder Speicher.
- Betriebsführungsverträge:
- Regelung der Betriebsführung von EE-Anlagen durch Dritte.
- Anträge:
- Anträge zu BesAR, BECV und Steuervergünstigungen sowie Nachweise nach dem EnEfG.
Wichtige Entscheidungen im Energierecht
- BVerfG „Klimabeschluss“ (2021):
- Das Klimaschutzgesetz war teilweise verfassungswidrig, weil es Minderungslasten unverhältnismäßig in die Zukunft verschob (Beschluss vom 24.03.2021 – 1 BvR 2656/18 u. a.).
- EuGH „EEG 2012“ (2019):
- Der EuGH hob das Urteil des EuG von 2016 auf: Das EEG 2012 mit der EEG-Umlage ist keine staatliche Beihilfe (Rs. C-405/16 P).
- EuGH „Unabhängigkeit der Bundesnetzagentur“ (2021):
- Die Bundesnetzagentur muss Netzentgelte und Netzzugangsbedingungen unabhängig festlegen können (Rs. C-718/18); der Gesetzgeber hat das EnWG daraufhin angepasst.
Beratung und Vertretung durch unsere Anwälte
- Strategische Beratung:
- Entwicklung CO₂-neutraler Versorgungskonzepte.
- Kombination von Förderungen und steuerlichen Privilegien.
- Prüfung und Optimierung von PPAs und anderen Vertragsmodellen.
- Vertragsgestaltung:
- Erstellung und Prüfung zukunftssicherer Energielieferverträge, Projekt- und Pachtverträge.
- Fördermittelberatung:
- Unterstützung bei Anträgen zu BesAR, BECV, EEG und KWKG.
- Streitbeilegung:
- Durchsetzung von Ansprüchen gegen Netzbetreiber oder Förderstellen.
- Klärung von Streitigkeiten bei der Ausgestaltung von EE-Projekten.
Durch eine rechtliche und strategische Optimierung lassen sich nachhaltige Energiekonzepte wirtschaftlich und zukunftssicher umsetzen.
Weitere Informationen können Sie auf unserer Seite www.energierechtler.de einholen.
Ihre Ansprechpartner im Energierecht

Dipl.-Ing. Michael Horak, LL.M.
Rechtsanwalt, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Stefan Karfusehr
Rechtsanwalt
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